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Kurerfolg im Wanderschritt
Die Geschichte des Heilbades Neuenahr beginnt mit der Entdeckung seiner Quellen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aber Heilwasser allein macht noch keine Kur. Denn die soll schädliche Einwirkungen des häuslichen und beruflichen Alltags ausschalten, den Selbstheilungskräften den Weg bahnen, die natürlichen Abwehrkräfte anregen, geschädigte Organe kräftigen und die gestörte Lebensordnung durch Entspannung und Besinnung wieder herstellen. Kur meint den ganzen Menschen, den Körper und die Seele. Und dazu leisten die Kurwanderungen einen Beitrag, der nicht unterschätzt werden darf.
„Ich hätte mich selbst nicht dazu aufgerappelt.“ Die Kurwanderführer hören dieses Geständnis häufig von Teilnehmern ihrer Touren, die es als wunderbar empfinden, in der Gruppe und geführt die Landschaft von Rhein, Ahr und Eifel kennen zu lernen und dabei Leistungen zu vollbringen, die sie sich allein oft genug nicht zugetraut hätten. Ein anrührendes Erlebnis steht dafür: Der Anstieg zur Landskrone, dem vulkanischen Domberg im unteren Ahrtal, ist steil. Erst führt er über 136 Stufen, dann in Serpentinen aufwärts zum malerisch gelegenen Kapellchen und weiter zum einst burggekrönten Plateau rund 200 Meter über dem Ahrtal. Dort oben, am Ende des Aufstiegs, brach eine Teilnehmerin spontan in Tränen aus, und das nicht vor Erschöpfung. Sie hatte Schritt für Schritt etwas geschafft, das sie sich selbst nach einer schweren Operation schon gar nicht mehr zugetraut hatte. Und dieser Erfolg wurde, wie sie später erzählte, im wahrsten Sinne des Wortes wegbereitend für ein Leben mit neuem starken Selbstvertrauen.
Rekorde werden nicht gebrochen bei den Halbtagswanderungen, die derzeit allwöchentlich mittwochs und freitags stattfinden und über acht bis zwölf Kilometer führen. Niemand soll überfordert werden. Den Wanderführern ist durchaus bewusst, dass mancher Teilnehmer schwere Krankheit oder Operation hinter sich hat und sich in einer Phase der Rekonvaleszenz befindet. Aber ein paar Schweißtropfen fließen schon und sollen durchaus auch fließen, wenn der Weg vom Ahrtal auf die Höhen um Altenahr oder Mayschoß, Remagen oder Ahrweiler führt. Aber in der Regel sind die Touren auch fröhliche Ausflüge, die den Gästen die schöne Landschaft, ihr bevorzugtes Klima, ihre köstlichen Weine und nicht zuletzt ihre bewegte Geschichte nahe bringen. Wissenswertes erzählen die Wanderführer bei Verschnaufpausen an besonders reizvollen Punkten am Wege. Wer weiß schon, dass Konrad von Are-Hochstaden, Gründer des Kölner Domes, auf Burg Are hoch über Altenahr aufgewachsen ist? Dass der Berg Neuenahr eigentlich ein Vulkan ist, der den Ausbruch nicht ganz geschafft hat? Warum der Ahrwein nicht billig, aber preiswert ist? Oder was es mit dem weithin bekannten Rotweinwanderweg auf sich hat, der natürlich in Abschnitten auch im Tourenprogramm des Kurwanderungen steht?
Himalajafeste Anoraks, schwere Bergstiefel und vollgepackte Rücksäcke sind nicht erforderlich für die Kurwanderungen. Aber einigermaßen wetterfest und der Witterung angepasst – Kurwanderwetter ist immer! – sollte man sich schon kleiden. Zu bedenken ist auch, dass dünnsohlige Sandaletten nicht gerade das ideale Schuhwerk für ein vielleicht unvermeidliches Stück Schotterweg sind. Der dicke Rucksack schließlich erübrigt sich, weil unterwegs – meist gegen Ende der Tour – Einkehr in gastliche Häuser gehalten wird, zu Kaffee und Kuchen oder Herzhaftem und einem guten Glas Ahrwein. Zum Nutzen von Leib und Seele.
Kurwanderungen finden jeweils mittwochs und freitags statt. Über Treffpunkt und Verlauf unterrichten das Kurmagazin sowie Aushänge am Kurpark und in Kliniken. Teilnahme auf eigene Gefahr. Über Schwierigkeitsgrade geben die Wanderführer Auskunft. Alle Wanderungen enden um ca. 17.30 Uhr und sind ohne größere Probleme zu gehen. Teilnahmegebühr: mit Kurkarte frei, ohne Kurkarte € 2,00.
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